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Aufbrechen, Packen, Verabschieden

26. Juli 2010

So, mein Zeit in Chickballapur und Peresandra neigt sich nun wirklich dem Ende zu. Morgen habe ich meinen letzten vollen Arbeitstag. Am Mittwoch arbeite ich nur noch halbtags und steige nachmittags in Bangalore schon in den Zug nach Kerala.

Ich schaue dem Abschied mit gemischten Gefuehlen entgegen. Ich freue mich nochmal auf indische Straende (da werde ich immer sentimental und philosophisch) und danach auf meine Freunde und Familie in Deutschland. Aber dennoch sind mir meine Kinder ans Herz gewachsen. Einige haben sich davon wirklich veraendert. Waehrend Sushmita (links neben mir im Foto) am Anfang meiner Arbeit ueberhaupt nichts gecheckt hat, keine inhaltlichen Zusammenhaenge und schon gar kein Englisch, ist sie jetzt in der Lage richtige Antworten auf Kannada-Englisch zu geben und ihr Wortschatz hat sich grandios verbessert. Simran (unten rechts) ist hochintelligent und staendig unterfordert. Mit ihr kann ich zwar keine englischen Diskussionen ueber Gott und die Welt fuehren, aber normale Gespraeche sind ihre Spezialitaet. Und wohlgemerkt, keines dieser Maedels ist mehr als zehn Jahre alt. Wenn die Schule also weiterhin Freiwillige hat, sehe ich eine blendende Zukunft (vorrausgesetzt ihre zukuenftigen Ehemaenner sperren sie nicht ein). Zwar ist es bei nahezu 200 Kindern unmoeglich Wunder zu schaffen, aber ein wenig hat meine Arbeit schon geholfen (meine gewaltfreie Ersiehung ist jedoch nicht auf die Kinder uebergegangen; es wird weiterhin munter geschlagen).

Am letzten Wochenende habe ich Aarons Ashram besucht. Der Ahsram leitet auch Schulen (Naeheres auf Aarons Blog, siehe Links). An diesen Schulen sah ich, was meiner Schule alles fehlt. Vom Raum und vom Lehrerpersonal ist in meiner Schule nur fuer halb so viele Schueler genuegend Kapazitaet vorhanden. Sie sitzen auf Baenken, wo die Latten rausbrechen, schreiben auf Tischen, den sie sich mit anderen teilen muessen, wo ebenfalls die Latten rausbrechen. Die Lehrer vermoebeln meine Kinder mit Stoecken, an den Ashramschulen ist sowas verboten. Es fehlen Computer, eine Schulmahlzeit und die Raeume sind so klein und es werden so viele Kinder reingequetscht, dass Ruhe unmoeglich ist. Natuerlich fuer das Schulleiterehepaar (in Indien ist alles Familienbusiness) ist es eine goldene Melkkuh und nicht ohne Grund werden die Kinder dort hingeschickt. Aber die Missstaende sind riesig und hier siehe ich eindeutig, dass Indien trotz aller luftgekuehlten Einkaufshaeuser und IT-Firmen in Bangalore zum ueberwaeltigenden Teil noch Entwicklungsland ist. Da ist nicht nur meine Schule hinten dran, sondern jede in den laendlichen Gebieten.

Was bleibt? Die Kosten fuer den Schulbesuch eines Kindes in der Ahramschule sind  ungefaehr 170 Eus pro Jahr (70 % bekommen ein Stipendium). An meiner Schule sind es 40 Eus, wovon viel (ich wuerde sagen unberechtigterweise viel) in die Taschen von Smita und Sharat wandert. Wenn man sieht, dass Europa in heuchlerischer Weise eine Kuh mit rund 700 Eus pro Jahr subventioniert, frage ich mich, wie wir eigentlich unsere Priotaeten setzen. Es laeuft nicht nur in Indien, sondern auch in Europa was falsch.

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