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Und? Mal wieder ne Kuh verspeist?

14. Juni 2010

Zu den Eigenarten der indischen Kultur und zu den bekanntesten Thesen, die im Westen von jedem Indienkenner herausgeschleudert wird, gehoert zweifelsohne, dass in Indien die Kuh heilig ist. Das ist auch der Grund, warum Kuehe die einzigen Verkehrsteilnehmer sind, die absolute Vorfahrt geniessen.

Leider.

Es gibt einfach nichts Koestlicheres – ich bitte hiermit um Verzeihung, wenn ich das nach ewigen Zeiten in welchen ich mit Reis und Samber ernaehrte, erwaehne – aber es gibt schlicht und einfach nichts Besseres als ein gutes Stueck vom Fahrzeug des Hindugottes Shiva zu essen. Denn Nandi, so der Name der Kuh, hat den Gott der Zerstoerung auf seinen vielen Abenteuern begleitet. Klar, wir wuerden auch keine Pferde essen, jedenfalls nicht freiwillig.

Gutes Rinder-Kebab (marinierte, scharfe und frittierte Fleischstueckchen) gibts bei uns direkt nebenan im Muslim-Viertel. Lustige Unterhaltungen zum Thema Kuh hatte ich auch immer in der Schule. So haben mich meine Kinder und die beiden Lehrerinnen Manjula und Karvita gefragt, was denn mein Lieblingsessen in Deutschland ist. Meine Antwort, und daran gibts nichts zu zweifeln, ist Ochsenschwanzsuppe. Nun ist das Konzept einer warmen Fleischbruehe  (und ebenso die Idee von Kaese) im laendlichen Indien absurd – so was gibt es hier einfach nicht. Also musste ich das erklaeren, Ochsenschwanz, in den Topf, kochen, schmeckt gut.

Das fanden meine Kinder ekelig. Und nicht nur die Hindus. Auch bei den doerflichen Muslimen ist der Versehr von Rindfleisch verpoent. Hier sieht man wieder einmal, dass Inder, egal ob Hindu oder Muslim, immer noch Inder bleiben, also schon ein und dasselbe Voelkchen.

Fuer Karvita und Manjula bleibt es unverstaendlich. Immerhin ist es fast so als wuerde ich Jesus Christus verspeisen. Deshalb empfahlen sie mir, dass ich die Mahabharata lesen sollte, ein Goetterepos des Hinduismus. Dort steht angeblich drin, warum man keine Kuehe essen sollte.

Ich erwiderte, dass sie sich bei Gelegenheit mal die Bibel anschauen sollte – da dort genau das Gegenteil drin steht.

Und so geht der Disput weiter und ich gruesse manchmal meine Kinder oder die Lehrer mit der gehaltvollen Frage: „Und? Mal wieder ne Kuh verpeist?“

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One Comment leave one →
  1. Sabine Boos permalink
    18. Juni 2010 15:11

    Hallo Felix
    ein Ochsenschwanz liegt schon in der Tiefkühltruhe

    Herzliche Grüße

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